Heilig-Geist-HospitalVon Christa Mühleisen
![]() Hof des Heilig-Geist-Hospitals mit Hospitaliten Ursprünglich war es dazu bestimmt, Reisende, Arme und Kranke unentgeltlich zu verpflegen. Im
Volksmund wurde es lange „das reiche Hospital“ genannt. Von 1291 bis 1454
war es das Hauptspital des Deutschen Ordens. Der Kern des Mauerwerks stammte aus
dem 14. Jahrhundert; dazu gehörten die großen Keller längs der
Heilig-Geist-Straße. Als die Burg Elbing zerstört worden war, erhielt die
Stadt Elbing das Hospital von dem Polenkönig Kasimir IV. 1457
„mit allen Czinsern, Höffen, Mölen, Dörffern und all den Zubehörungen“
geschenkt. Das Hospital besaß im Jahre 1910 städtische und ländliche
Grundstücke sowie Forsten mit einer Gesamtfläche von 1692 ha, dazu ein
Kapitalvermögen von 571 125 Mark (Pudor, Carl: Elbing und seine Umgebung, S. 79
f). 1927/28 wohnten hier 28 alte Frauen und Männer im Hospital, das ihnen für
die letzten Lebenstage eine Zufluchtstätte der Ruhe und des Friedens sein
sollte.
Das Schaffnerhaus im zweiten der beiden Innenhöfe(Schuch: Elbing in alten Ansichtskarten)
Aquarell von Otto Vierkötter
Die Heilig-Geist-Kirche
Die Kirche „Zum Heiligen Geist“ schloß den Hospitalshof nach der Heilig-Geist-Straße zu ab. Sie ist bald nach der Gründung des Hospitals, zu dem sie gehörte, gebaut worden, der Steinbau nach 1300. Um 1620 soll sie ganz neu ausgebaut worden sein. Drei Jahre vor dem Brand der St. Nikolai-Kirche 1777, also 1774, fiel ein Teil der gewölbten Decke ein. Glücklicherweise war gerade niemand in der Kirche. Die eingestürzte Decke wurde durch eine hölzerne ersetzt. Da sich zur Zeit der Reformation viele evangelische Polen in der Stadt niedergelassen hatten, verfügte der Rat, daß in der Kirche „Zum Heiligen Geist“ für sie in der polnischen Sprache der sonntägliche Gottesdienst gehalten und nur mittwochs, besonders für die Hospitaliten deutsch gepredigt werden sollte. Auch für das preußische Militär blieb diese Kirche Garnisonskirche.
Heilig-Geist-Straße mit Heilig-Geist-Hospital und Heilig-Geist-Kirche. Im Vordergrund sieht man das Städtische Museum.
1812 richteten die Franzosen während ihres Durchzuges nach Rußland in dem Hospital eine Feldbäckerei und in der Kirche ein Mehllager ein. Lange Zeit hat die Kirche ihren eigenen Prediger gehabt, aber seit sie 1856 mit der Gemeinde zu St. Marien vereinigt wurde, predigten die Geistlichen dieser Kirche abwechselnd an Sonn- und Festtagen in der Kirche „Zum Heiligen Geist“.
Das Städtische Museum
Das Städtische Museum wurde am 8. November 1864 gegründet. An diesem Tag beschloß der Magistrat der Stadt Elbing, schon vorhandene kleine Sammlungen von Münzen, Modellen, alten Waffen und mancherlei Kuriositäten, die so lange im Saale der Stadtbibliothek aufbewahrt worden waren, „im obersten Geschoß des Rathauses in 1-2 dazu bestimmten Zimmern zu vereinigen und aus ihnen zur Realisierung eines lange gehegten Wunsches den Stamm einer städtischen Sammlung zu bilden, welche Gegenstände, die ein allgemeines wissenschaftliches, künstlerisches oder historisches Interesse bieten, ferner Gegenstände, die speziell auf Elbing Bezug haben – seien es auch nur Kuriositäten -, in sich vereinigen soll“.
Mit dieser Sammlung wurden dann auch gleichzeitig die damals noch im Industriehause befindlichen Gegenstände der Conventshalle vereinigt, eine Sammlung, die Johann Jacob Convent (1779-1813) begründet und als „unschätzbare Elbingsche Antiquitäten“ testamentarisch der Stadt Elbing vermacht hatte. Erst am 13. und 14. März 1865 jedoch wurden die Sammlungen in die für ihre Unterbringung instand gesetzten Räume des Rathauses überführt. 1878 vereinigte die städtische Altertumsgesellschaft (gegr. 1873) ihre wertvollen geschichtlichen und kulturgeschichtlichen Sammlungen mit der städtischen und sorgte auch weiterhin für ständigen Zuwachs. 1893 wurden die Sammlungen in mehrere Räume des neuen Rathauses überführt und als diese zu Verwaltungszwecken gebraucht wurden, mußten die Sammlungen in den Festsaal und einige kleinere Räume des ehemaligen Realgymnasiums in der Kalkscheunstraße umziehen, wo sie bis 1924 verblieb.
Im Jahre 1922 beschlossen die städtischen Behörden, da der damalige Leiter des Museums in wiederholten Eingaben die Museumsräume als unzulänglich bezeichnet hatte, das alte Industriehaus, Heilige-Geist-Str. 4, ein altes Patrizierhaus, in dem sich einst die Conventshalle befunden hatte, für die Aufnahme des Museums bereitzustellen und herzurichten. Unter Aufwendung bedeutender Geldmittel erfolgte die Instandsetzung bis Dezember 1924.
Das Museumsgebäude war ein seinem Kern nach gotischer Bau mit einer aus dem 18. Jahrhundert entstammenden Fassade. Es enthielt in 4 Stockwerken 9 größere Ausstellungsräume, zu denen noch helle geräumige Treppenflure kamen, die gleichfalls vorzügliche Ausstellungsmöglichkeiten boten. Im Erdgeschoß, in dem sich auch die Museumstischlerei befand, waren Alt-Elbinger Möbel, Öfen und dergleichen ausgestellt. Im ersten Stockwerk waren Gegenstände der sakralen Kunst dargestellt, besonders Altäre und Skulpturen von der Gotik bis zum Barock, ferner alte Holzschnitzereien, Gemälde, u.a.
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