|
Eine Segeltour auf dem Geserichsee. Wohl
dem, der einen guten Freund hat, und ich hatte einen. Er wurde von uns
Fritzchen genannt und wir drückten gemeinsam die Schulbank in den
ersten Jahren. Später waren wir im Jungvolk zusammen und hatten viele
Erlebnisse gemeinsam. Eines Tages fragte er, ob ich mit ihm eine
Paddelsegeltour auf dem Geserichsee machen will. Sein Bruder Helmut, der
bereits bei der Wehrmacht war, hatte ein Faltboot, das ungenutzt in einem
Schuppen stand. Ich war sofort bereit und so bereiteten wir alles vor.
Zuerst haben wir es gründlich gereinigt. Am kommenden Sonnabend wollten
wir dann in See stechen. Unseren Eltern erzählten wir nur von der
Paddeltour, sonst hätten wir mit unseren 16 Jahren nicht fahren
dürfen. Zu diesem Boot gehörte auch ein Segel, was wir natürlich
benutzen. Außerdem hatten wir ein 2-Mann Zelt dabei. Die Eltern von
Fritzchen hatten eine Fleischerei. Mein Freund, der Liebling der Mutter,
brachte einen Ring Fleischwurst, dazu Butter und Wurstkonserven. (Sein
Vater belieferte nämlich die Wehrmacht). Ich brachte Brötchen, eine
Erbswurst, Tee und Kaffee. Wasser hatten wir auch neben einem
Spirituskocher. Unsere Verpflegung war gesichert. Wir zogen uns eine
wasserdichte Bluse über, setzten eine Mütze auf und los ging die
Fahrt. Eine leichte Brise schob uns von der Dampferanlegestelle auf den
See. Nach dem Wetterbericht, der damals viel genauer war als heute,
sollten wir ein herrliches Wochenende bekommen.
Wir
wechselten die Seite und fuhren durch die Seeenge "Faule
Brücke" in das Seegebiet "Die Motten". Hier war der See
ganz glatt. Es waren da 10 Angler in ihren Booten, um Aale zu angeln.
Wir wollten sie nicht stören und fuhren um die Halbinsel Fichtenort
herum, die in den Geserichsee hineinragt. Hier blühten schon die
Schwertlilien, die wilden Rosen und das Sumpfgras. Gleich
hinter der großen Inselspitze befindet sich der Maserwinkel. Das ist
eine Bucht, die abends mit ihren hohen Kiefern romantisch wirkt. Von
dieser Bucht habe ich ein Ölbild gemalt. Hier
sah man einige Angler zwischen dem Schilf stehen und hier in der Stille
waren auch die Nistplätze der Rohrweihen. Bevor wir in den Maserwinkel
fuhren, machten wir noch kurz am Anlegesteg der Liebesinsel fest, die
ein gepflegtes Schutzhäuschen für Angler und Wassersportler hatte.
(Heute sieht man davon nichts mehr.) Eigentlich wollten wir bis zur
Preußenhütte (Jadziowken) fahren, aber wir entschlossen uns, in
Schalkendorf unser Zelt aufzubauen, da im Westen der Himmel bezog. In
der Nähe der Anlegestelle fanden wir einen schönen Rasenplatz, wo wir
unser Zelt aufbauten. In der Nähe war ein Bauernhaus, wo wir uns etwas
Stroh holten und fragten den Besitzer, ob wir hier zelten durften. Zur
Hilfe schickte der Bauer uns seine beiden Töchter, die recht hübsch
waren und sich mit uns gleich anfreundeten. Sie waren auch 16 Jahre
jung. Wir wollten nun unseren Tee mit dem Spirituskocher kochen, aber
ehe wir uns versahen, brachten die Beiden uns heißen Kakao und wir
aßen unsere mitgebrachten Schnitten. Wir schauten uns die untergehende
Sonne an und es wurde ein schöner Abend, der vom Quaken der Frösche
und Unken begleitet wurde. Nachts gab es ein leichtes Gewitter, aber wir
schliefen gut. Morgens
ist es an unserem Geserichsee am Schönsten. Viele kleine Blumen standen
am Seerand, überall im Schilf und in den Büschen war Vogelgezwitscher
, denn die meisten Vögel hatten Nachwuchs in ihren Nestern. In der
Nähe kam ein Fischadler mit seinem Fang vorbeigeflogen und am alten
Bollwerk standen 3 Kormorane und hechelten, damit ihre Federn trocken
wurden. Auf dem See war es noch ganz
ruhig, man sah noch kein Boot, nur der Angler, der schon am Abend auf
dem Anlegesteg des Dampfers stand, angelte immer noch. Er hat reiche
Beute gemacht. In einem Wassereimer schwammen etliche Zander. Unser See
war durch die vielen Zandervorkommen sehr berühmt. Wir wollten ihm
einige Fische abkaufen. Er lachte und schenkte uns einige große
Exemplare. Unsere Eltern haben sich darüber sehr gefreut. Den ganzen
Vormittag kreuzten wir nun auf der Schwalgendorfer Breite. Wir hatten
uns vorher ordentlich eingekremt. Wir sagten den Mädchen, dass wir um
12 Uhr zurück sind. Wir hatten doch unsere große Fleischwurst und die
Erbswurst im Gepäck. Die beiden Dorfschönen haben uns gleich bei der
Zubereitung geholfen. Sie verfeinerten die Suppe mit einigen Kräutern,
was sehr gut schmeckte. Die Beiden sind bestimmt gute Hausfrauen
geworden. Einige Brötchen aßen wir dazu. Sie aßen mit uns gemeinsam.
|